Im Regen stehn für die Politik 11. April 2008
Ich, die Chefbloggerin femi June, stamme aus der Schweiz. In der Schweiz ist es momentan grad ein bisschen schwierig im Bundeshaus (das Parlamentsgebäude). Denn eine Bundesrätin wird gemobbt. Ganz übel. Und zwar nicht von ihren Gegner. Sondern von ihrer eigenen Partei. Ist also wirklich grad nicht logisch bei uns in der Schweiz. Dies bedarf einigen Erklärungen:
Für Nicht-SchweizerInnen: In der Schweiz gibt es die direkte Demokratie. Und es gibt viele verschiedene Parteien, nicht nur eine. Diese Parteien können KanditatInnen aufstellen und diese werden dann vom Volk in den Nationalrat (Prozentuale Vertretung auf die Kantonsgrösse und die gewählten Parteien) und den Ständerat (je zwei Personen pro Kanton bzw. eine pro Halbkanton – ein Kanton ist wie ein Bundesland in Deutschland) gewählt. Diese zwei Räte wählen dann wiederum den Bundesrat. Der Bundesrat ist wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, einfach mit sieben Personen anstatt nur einer. Weil es sieben sind, haben sie auch mehr zu bereden und brauchen immer ein bisschen länger, um sich entscheiden zu können. Aber hier gehts jetzt nicht um den Entscheidungsprozess. Es geht um eine Bundesrätin.
Für alle: Die vereinigte Bundesversammlung hat letzten Dezember einen rechten, rechthaberischen und niveaulosen Bundesrat namens Christoph Blocher abgewählt. (Der Christoph hat sich übrigens damals als er gewählt wurde, mit ganz fiesen Tricks in den Bundesrat geschmuggelt. Aber auch das ist eine andere Geschichte.) Stattdessen wurde seine Kollegin aus dem Kanton (Bundesland) Graubünden in den Bundesrat gewählt. Alles ganz legal. Alles rechtlich korrekt. Doch der Christoph Blocher (eben der rechthaberische, rechte, alte Sack der sich benimmt wie ein trotziger, rotziger kleiner Knabe) mochte das nicht. Deshalb hat er einen Teil der Partei zu der er gehört, gegen die neue Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf aufgehetzt. Die Partei heisst ürsprünglich SVP. Schweizer Volkspartei. Entstanden ist sie aus einer Bauern und Kleingewerbepartei. Heute spricht man in der Schweiz bei der SVP von der Zürcher SVP und der Berner SVP. Die Berner (und der grosse Rest der Schweizer) SVP sind in der SVP weil sie sich auf das Bauerntum etc. berufen. Die Zürcher SVP ist heute der Anfang der braunen Scheisse. Kurz gesagt, die Zürcher SVP ist rechtsaussen und politisiert unter jeder Sau. Und mit unter jeder Sau meine ich unter wirklich jeder Sau. (Und glaubt mir, in der Schweiz gibt es wirklich viel tiefgelegte Säue.)
Also, was ich eigentlich sagen wollte: heute haben sich ganz viele Menschen in Bern (Hauptstadt der Schweiz. & nochmals: nein, die Hauptstadt der Confederation Helvetica [CH=Schweiz] ist NICHT Zürich und auch nicht Genf) eingefunden. Als Linke Frau hat man da ein bisschen im Dilemma zu Demo zu gehen oder nicht, weil die gemobbte Bundesrätin ja eine SVP-Bundesrätin ist und deshalb zum rechten Lager gehört.
Ich bin dann trotzdem gegangen. Weil:
- Es wichtig ist, zu zeigen, dass man von diesem politischen „Stil“ der Zürcher SVP die Schnauze gestrichen voll hat.
- Weil das Mobbing der Zürcher SVP auf eine starke Frau abzielt. Wäre es ein starker Mann, würde es bei der Zürcher SVP wohl etwas weniger nivaulos zu und her gehen. Deshalb geht es hier um Frauensolidarität.
- Weil das Wir-Gefühl an einer Demo einfach geil ist. (Es gibt Menschen, die haben an Demos immer so kleine „Wir-Gefühl-Orgasmen“.)
- und dann gäbe es noch 1′000 weitere Gründe zu gehen oder nicht zu gehen.
Jedenfalls war ich an dieser Demo und 15′000 andere Frauen und Männer waren auch dabei. Und das war echt geil. Und so sieht das aus, wenn die Schweiz demonstriert:
So sieht das aus, wenn 15′000 Menschen vor dem Bundeshaus in Bern demonstrieren. (Bild: Keystone)
