Die Winterwälder rasen vorbei. Sie erinnert sich. Wegen dem Tunnel. Sie fährt mit dem Zug durch. Die kalten Wände, der feuchte Geruch. Wie im Sommer. Als sie verheult neben ihrem Vater im Cabrio sass, das Kopftuch vergessen. Deshalb wilde Haare im Fahrtwind, die sie lachen liessen. Dazwischen Tränen und vom Vater ausgewählte Musik. Sommer, Sonne, Tempo, Berge, Pässe, Kurven, Seen. Unglück. Glück. So nahe beeinander. Ein halbes Jahr ist vergangen. Bisschen mehr. Die Tränen sind getrocknet. Und jetzt wieder. Sonne, Tempo, Berge, Pässe, Kurven, Seen, Schnee und Winter. Diesmal allein. Diesmal mit eigener Musik. Diesmal im Zug. Diesmal von der anderen Seite kommend. Mit dem selben Ziel. Die Heimat sehn und nach Hause kommen. My heart is…
Lonsesome Tears 13. September 2008
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Sie liegt da und hat die Augen geschlossen. Der anbrechende Morgen ist hörbar, die Vögel pfeifen und auf der Strasse draussen rollen Autos und transportieren Menschen.
Einatmen. Es drückt der Schlaf auf die Gedanken, die in ihrem Kopf zu tanzen versuchen. Ausatmen. Die Frage an sich selber, nur einen kurzen Augenblick, wo sie denn ist. Und weshalb.
Das Fenster in diesem Zimmer ist schräg gestellt. Draussen regnet es. Das ist das einzig Bekannte hier, so alleine. Der Ton vom Regen. Es schüttet wie aus Kübeln, schon seit ein paar Tagen. Lonesome tears. Sie hört den traurigen Wolken zu. Mal prasselt das Wasser etwas lauter und stärker und bringt somit auch etwas frische Luft ins Zimmer. Windstösse, wie gewohnt. Alles andere ist unbekannt und fremd. Nicht, dass es nicht gut wäre oder nicht passen würde. Aber alles ist in schwarzes, schweres Licht getaucht und kalt. Sie fröstelt. Und trotzdem rinnt ihr der Schweiss von der Stirn. Und vom Kinn tropft es ins Kissen. Schweissperlen, die auch Tränen sein könnten. But she can’t cry them. Nicht in dieses weisse Bett mit diesem fremden Geruch. Diese vertraute Fremde.
Ihr Kissen ist zerknautscht und liegt grob unter ihrem Kopf. Die Decke ist irgendwo runter gerutscht. Fast nackt liegt sie da und weiss nicht genau, ob sie sich bewegen mag. Es ist ihr kalt. Immer ist ihr etwas kalt, wenn sie mit ihm zusammen ist. Dieses kühle, etwas unangenehme, angespannte Frösteln gehört wohl dazu. Mit den Zehen zupft sie das Duvet hoch und bedeckt sich. Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken. Der Arm unter ihrem zarten Nacken ist eigentlich zu gross und deshalb unbequem. Aber sie dreht sich nicht weg. Bleibt unbeweglich, starr und versucht in ihrem Körper ein paar Gefühle oder Gedanken zu erhaschen und festzuhalten. She can’t think of what they’re for. Keine Antworten auf gar nichts. Und deshalb auch keine Gründe etwas zu tun oder zu lassen. She knows that they ruin her every time. Doch ein gewisses selbstzerstörerisches Potenzial hat sie schon immer gehabt. Auch wenn sie es nicht zugeben mag und relativ gut damit leben kann. Vielleicht versucht sie mal, wenn sich die Gelegenheit ergibt, diese suizidale Ader in ihr auszutrocknen. Leave behind some day. Doch dies braucht Zeit. Und die hat sie momentan nicht.
Vor ihr liegt eine Uhr, sie weiss das. Er hat so eine, die auch den Puls messen kann, wenn man läuft. Eigentlich würde es sie interessieren, wie schnell ihr Herz rast. Jetzt. Denn auch ohne physische Betätigung pumpt ihr Organ wie verrückt Blut in die entferntesten Gegenden in ihrem Körper. Sie hat aber trotzdem nicht warm und ihr Nacken wir nun doch zu steif. Sie dreht sich um. Sie liegt nun mit dem Gesicht zu ihm, nur einen Wimpernschlag entfernt. Er liegt da und schläft. Seine eisblauen, klaren Augen sind hinter den Augenlidern verborgen. She thinks that he never turn his eyes on her. Klar schaut er sie an, aber er kann nicht in sie hinein sehen. Sie nicht einsehen, sich in sie versehen, sie verstehen oder begreifen. Berühren schon. Das geht. Und das tut gut. Er ist gross und macht einen harten Eindruck. Doch wenn sie ihn berührt, ist er weich. Seine Gestalt und Härte schmelzen und er wird weich wie Butter. Seine seidige Haut lässt sie dann durch ihre Finger gleiten, um jeden Punkt an seiner Oberfläche zu begreifen. Die Muttermale, die Muskeln, die Haare, die Sehnen, die Poren, die kleinen Falten, die Narben.
Sie denkt das alles und traut sich nicht, ihn zu berühren. Er ist ihr fremd. How could this love ever changing? Sie kennt noch immer keine Antwort, da ihre Ungeduld längere Gedanken nicht zulässt. Trotzdem spürt sie einen kurzen, heftigen Schmerz. Wohl dort, wo man die Seele vermuten mag. Sie blinzelt und ist froh, dass er nicht bemerkt. Nichts bemerkt. Sie bricht innerlich. She don’t need these tears anymore. Sie drückt den Kopf ins weisse Kissen, lässt heimlich und kurz die Tränen sickern, zieht einmal Luft durch die Daunen in sich hinein und riecht alles von ihm. Sein Schweiss. Sein Blut. Seine Art. Sie schmeckt ihn. Kostet von seinem Duft und lässt ein paar Gedanken zu.
Er hat ihr nichts versprochen und trotzdem – sie ist da. Bei ihm. Auch sie hat ihm nichts gesagt, doch auch Schweigen mag verschwören. Promises might come true for awhile. Sicher nicht für ewig, doch der Augenblick zählt. Vielleicht ist das die Antwort. Der Augenblick, der vielleicht Glück bedeuten vermag. Weil sie weiss, wie Glück funktioniert. Sie denkt: I ride farther than I should, harder than I could. Sie weiss jetzt auch weshalb. Just to meet him here. In diesem Augenblick.