Fuck Barbie!

Alltagsmärchen, Geschlechterprovokation & Lügengeschichten

N.N. 18. Oktober 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 15:21

Ds Läbe isch ä Geischterbahn, singt Endo. Ich habe Glück. Nicht direkt, aber immerhin. Vor ein paar Wochen bin ich Fahrrad gefahren in Holland. Holland ist schön und weit und fremd und heimelig. Die romantischen Grachten, die grünen Gärten, das stille Wasser. Nur die Berner Fahnen erinnerten daran, dass Holland in der Schweiz liegt, genauer irgendwo zwischen Bern und Thun, leicht erreichbar und versetzt mit preiswertem Feriengefühl. Ein Marienkäfer setzte sich auf mein Fahrrad, meinen Lenker und ich bin mit ihm weiter gefahren und habe ihn angeschaut und ihn gefragt: „Bist du so ein böses chinesisches Himugüegeli, das unsere alle auffrisst?“ Der Rotschwarze sagt nichts und liess sich weiter von mir über die grünen Felder chauffieren, was ich eigentlich gut fand, würde ich auch so machen, wenn ich ein Aldinbori wär. Und dann kam ich zu einem Bauernhof und am Boden war ein Hufeisen in den Teer eingelassen und ich fuhr mit Marienkäfer über das Hufeisen. Ich bin nicht abergläubisch, aber gut war es irgendwie trotzdem. Jedenfalls besser als mit dem Auto über eine Katze zu fahren. Also hatte ich relativiert gesehen Glück. Heute beim Wandern ist ein Himugüegeli auf meiner Brust gelandet, eine zärtliche Berührung. Ich fragte den dicken Käfer „Bist du so ein böses chinesisches Himugüegeli, das unsere alle auffrisst?“. Weil ich will ja wissen, wer da auf meiner Brust rumlungert. Der Marienkäfer aber sagte nichts, trank etwas Schweiss von mir und flog, als ich ihn über den Berg getragen hatte, wieder davon. Himugüegeli sind das, was ich meinem Freund ins Grab werfen werde, wenn ich nächste Woche an seine Beerdigung gehe. Ich habe Glück. Er hatte es nicht. Dafür hatte er Witz und Humor. Fast den besten Humor den ich kenne. Kannte. Zum totlachen. So schlimm, wies usgseht, chas nid cho, singt Endo. Stimmt, denke ich und gehe auf meinen Pflanzplätz jätten und ein paar Mariekäfer sammeln für nächste Woche. Es wär doch schön, singt Endo, es Grab mit äre Bueche druff.

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# 126 10. Oktober 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 11:56

Die Garderobe ist klein, modern, die Luft hier ist gefiltert. Sie riecht irgendwie zu rein, irgendwie nach chemischen Blumen oder Meer, einfach nicht echt. Alles ausziehen, alles, keine Metalle am Körper, keine Piercings, ein Wunder, das Tattoo nicht ausziehen zu müssen, die grünen Kleider. Die gerade geschnittenen Hosen, mit der Kordel zuziehen, Grösse 3, mit denen könnte man zelten gehen. Dasselbe beim Oberteil, ein echtes T-Shirt, die T-Form könnte nicht T-iger sein, nicht schön, aber bequem. Ich gehe raus, Sie haben was vergessen, die Haarspange, wieder zurück, öffne den Schrank, den man nicht knallen kann, weil er irgendwie so besondere Türen hat, sie fallen leise zu. Der Boden ist irgendwie weich, leider kalt, Linoleum, modern, hohe Holzwände, ca. 50 Meter unter der Erde. Tageslicht gibt es nicht, keine Zeit, wäre da nicht irgendwo die Uhr, kein Wetter, sie fragen immer, wie ist es draussen? Noch nie hat ein Gespräch über das Wetter so viel Bedeutung gehabt wie dort, mit den Menschen unter der Erde, die es tatsächlich interessiert ob es schneit im Oktober oder die Sonne scheint oder ob der 3. Weltkrieg ausgebrochen oder alles ist wie immer, weil merken würde man es hier nicht. Eigentlich auch schön, wie in einer Raumstation, stelle ich mir vor und dann kriege ich gelbe Ohrstöpsel, die weichen, die ich irgendwie nie richtig in mein Ohr kriege. Ich bräuchte ein Kurs dafür, echt jetzt und nachdem ich sie 5 x rausgenommen und wieder reingetan und gedrückt und geknetet habe, sitzt der Hörschutz endlich richtig und bei anderen Ohr klappts dann auf Anhieb, nettes Ohr. Dann kriege ich das El auf die Stirne, El wie Looser, ich mach den Looserwitz wie üblich, wie üblich haben sie nur ein müdes Lächeln für mich übrig. Das El an der Stirne, damit sie dann wissen auf den Bildern wo links und rechts ist, so können rein, in den Untersuchungsraum. Hinsetzen, hinlegen, Achtung Kopf, er muss genau oben an der Halterung ankommen, es passt und ich werde hochgefahren, damit all die Menschen besser an meinen Körper rankommen. Bitte das T-Shirt heben, dann die Kleber, die feuchten mit Schlabber und dem Herzbild, um die Herzfrequenz zu messen, kalte Finger auf meiner Brust, meine Nippel werden steif, die Kabel angeschlossen. Dann noch das Kissen auf dem Bauch um die Atmung zu messen, festgezurrt, Hupe auf die Brust für den Notfall, Decke drüber. Kopfhörer auf den Kopf und dann gleichzeitig, den Schaumstoff von beiden Seiten, damit ich den Kopf nicht mehr bewegen kann und dann der Helm drüber und reingefahren. Augen schliessen wegen dem Laser, ein Stopp, kurz, und weiter rein und dann bin ich in der Röhre, Magnetresonanz, sie machen Bilder von meinem Hirn, quer durch und von oben und unten und der Seite, 3 Ansichten. Und jetzt machen wir noch den anatomischen Scan. Das Bildermachen vom Hirn ist laut, es tickt, nein schlägt bei jedem Bild und manchmal wird der Lärm hoch und es ist so schön warm dort drin und es ist laut und ich fühle mich geborgen und es ist alles weich und weiss und den Lärm höre ich nicht mehr und ich schliesse meine Augen und es ist wunderbar. Ich lasse mich gehen und schlafe ein und träume davon, wie ich als ungeborenes Kind im Bauch meiner Mutter vor mich hin schwebte und dort war ihr Herzschlag und es war laut und warm und alles war gut.

 

Wo Gott hocket 17. September 2009

Gespeichert unter: Provokation — Femi June @ 09:01

„Du wirsch scho gseh
wo Gott hocket!“
drohten sie

Den Platz jedoch
den ich für ihn reserviert habe
ist frei geblieben

 

am rhein 9. September 2009

Gespeichert unter: Blabla — Femi June @ 15:04

Auf dem Weg von B nach B sitze ich im Zug, bereit zu gehen, alles hinter mir zu lassen, im Rhein oder im Bier zu ertränken. Die Freude und das Leid. Noch in der Hauptstadt höre ich mir die Musik aus bekannten, nie bereisten Staaten an, die Faszination, die Ferne. Ich will weg, muss. Die Köpfe mir gegenüber sehen nach Provinz aus. Nicht rund, nicht dumm, nicht uninteressant. Aber einfach ein bisschen nach Provinz, ein bisschen zu enger Genpool, ein bisschen zu wenig Weltoffen, ein bisschen zu wenig NZZ und Magazin und Zitty und Missy und wie sie alle heissen. Irgendwie nicht nach Rheinstadt. Es spricht auch niemand Baseldeutsch. Das kommt mir spanisch vor. Also steige ich aus dem Zug aus, stolpere über das Perron, über Kinderwagen und Grossmütter und Hundeleinen und Lügengeschichten und Küsse und Zukunft und Vergangenheit. Gehe zur gegenüberliegenden Bahn und steige ein. Jetzt endlich! Der Dialekt und das Tempo und die Kleider und die Kinder und die Eltern und kein Abteil frei, doch und hinsetzen und Scheisse, ein schleimiges Arschloch vis-à-vis. Bemüht falte ich meine Zeitungen auf, viel Zeitung, ein Berg davon, Zeitung von gestern mit News und die Zeitung von heute mit den News, die jetzt keine mehr sind, weil sie letzte Woche passiert sind und heute Sonntag ist und man entweder unter der Woche die Zeitung täglich liest oder nur einmal eben heute. Aber beides geht nicht. Man muss sich entscheiden. Sonst wird es langweilig. Und ich verstecke mich hinter den Bettlackengrossen Blättern und lese stundenlang Texte, damit mich das schleimige Arschloch nicht ansprechen kann. Auf halber Strecke kriegt das schleimige Arschloch leider Verstärkung. Ein mir nicht unbekannter Aufdringlicher, der sich gerne durch das Berner Nachtleben labert und einfach nur mühsam ist, setzt sich zu ihm, also eigentlich zu mir.

Ich liebe dich

Ich liebe dich


Das schleimige Arschloch ergreift seine Chance zum Small Talk, spricht schwul über seinen Beruf als Rechtsexperte für Sozialversicherungen, entlarft sich bei mir leider als Idioten, da ich selber Sozialarbeiterin, und seine Ausführungen keine Sekunde Glauben schenken kann, weil auch ich Bescheid weiss über Recht und Sozialversicherungen. Aber der unbekannte Aufdringliche weiss das nicht, weil er nicht Sozialarbeiter ist und auch nicht Sozialhilfebetrüger, obwohl er wie einer aussieht, sondern Dealer aber das ist eine andere Geschichte. Und der Schwule macht langsam aber sicher den Dealer an und der Dealer immer irgendwie mich und ich verstecke mich hinter der Zeitung bis der Dealer mit mir über meine Tätowierung sprechen will und das ist mir dann doch zu intim und als er meine Ballerina-Ohrringe aus Brasilien, ein Geschenk einer wirklich guten Freundin „geil“ und die sind wirkilch alles andere als geil (was für ein Wort! Himmelarsch!) nennt, nehme ich mein Maschinengewehr aus meiner Handtasche, erschiesse den Dealer, weil er nervt und den Schwulen, weil ich jetzt sowieso schlechte Laune hab und er halt zur falschen Zeit am falsch Ort ist und lese meine Zeitung in Ruhe fertig. Dann sind wir auch schon in Basel und alle steigen aus, natürlich auch der Dealer und der Schwule, sie hinken beide ein bisschen. Dann sehe ich einen ganz guten Menschen ganz lange und wir halten uns an tollen Orten auf und trinken viel Bier und essen selbstgemachtes Eis und erzählen uns das Leben, wie immer, bis zum Morgengrauen und schlafen im selben Bett und frühstücken Kaffee und Zigaretten und ich bin verliebt, aber nur 24 Stunden, weil wir sind schon verschüttet von der Liebe. Der anderen Person und mir wird es zuviel und deshalb grabe ich mich aus der Liebe aus, so mit beiden Armen, ich pflüge mit langen Bewegungen um mein Leben und unsere Liebe und gehe zum Tram, das Tram kommt ausnahmsweise pünktlich oder ich rechtzeitig und ich setzte mich auf das Holz und neben mir sitzt die Gegenwart und lacht mir ins Gesicht.

 

Wenn ich weg bin 13. August 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 17:31

Die Dossiers stapeln sich in meinem Büro. Die Zimmerpflanze ist vertrocknet. Mein Bürokollege auch. Auf dem Fensterbrett liegen tote Fliegen. Wenigsten scheissen sie nicht mehr das Fenster voll. Dicke Luft. Papier. Karton. Grau und braun und beige. Die Oberfläche des Holzpultes ist abgeschabt. Die Plastikunterlage schützt den Teppich vor dem Bürostuhl. Aus dem Fenster, der Ausblick ist spannend.
Im Block gegenüber wohnt eine Familie. Türken oder so. Drei Kinder, dicke Mutter, hübscher Vater. Die Eingangstüre ist kaputt, das Fenster eingetreten. Acht Briefkästen. Alle bemalt mit dicken Marker. Das Übliche: Fuck the police, Faschos sind Scheisse, Free Erdogan. Nichts Neues. Gespieltes Interesse. Aufgesetzte Politik. Das Game über die Konsole hinaus. Scheiss Punks, denke ich. Rücke mir die Brille auf der Nase zurecht und starte den Computer. Kaffee holen.
Auf dem Flur, links neben der Toilette, der Automat. Ein Franken zwanzig für den wässrigen Kaffee. Inklusive Blick auf das Büro von Tobias. Er ist nicht da. Marianne, die Chefin von Tobias, im Büro neben an. Sie schiebt sich den BH gerade und kritzelt angestrengt etwas in ihre Agenda. Daten. Planung. Verplanung. Zeit. Time Management. Personalabteilung. Scheisse. Tobias.
Seine Schritte erkenne ich schon von weitem. Aus dem Lift. Um die Ecke und nun bin ich in seinem Sichtfeld. Ich wäre in seinem Sichtfeld. Tobias schaut nicht zu mir hin. Braunes Haar. Tobias schaut auf den Boden. Jogging am Mittag. Tobias kennt das Muster des Teppichs – ich weiss es. Nach dem Sprint draussen kam das Duschen. Tobias. Immer. Und immer wieder. Tobias verschwitzt. Graues Fischgerätemuster. Die weissen Kacheln in der Dusche. Tobias nackt. Das Wasser. Der Dampf. Tobias. Von vorne, von hinten. Saibot. Sabotage. „Sabotage!“ denke ich und werfe den wässrigen Kaffee an die Wand, alles und Marianne schaut über ihre gefärbten, aufgeblasenen Lippen mitleidig zu mir rüber. Nutte, schreie ich und drehe mich um. Sehen den langen Bürogang und wie der Staub im schräg einfallenden Sonnenlicht tanzt. Ich falle über meine Füsse.

 

34° 16. Juli 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 11:49

Die Wohnung ist leer. Nicht weil da keine Möbel stehen würden, sondern weil sie weg ist. Eigentlich ist alles perfekt. Genau so, wie man es hofft, wenn man 16 ist und wenn man weiss, wie man dann mal leben möchte. Alles das habe ich. Genau die richtige Wohnung. In der richtigen Stadt. Die guten Menschen um mich, genug Geld um zu leben, verleben und nur hier und da ein paar Tage ohne Strom. Alles genau richtig. Das richtige Wetter, die hochgetürmten Wolken am Horizont. Gute Drogen. Nicht zuviel davon. Zeit haben. Nichts tun. Oder nur das tun, was einem gefällt. Die spannende Musik und die Gespräche und die bequemen Unterhosen. Der Sex immer tagsüber. Die Nacht für Gespräche. In den Fluss schwimmen gehen. Auch mal raus aus der Stadt. Reisen. Ein guter Kaffee. Zigaretten. Das Baby im Bauch. Okay, vielleicht nicht vom richtigen Mann. Aber ist ja auch egal. Der Sitzball. Eigentlich wäre alles gut, genau richtig. Wenn sie nicht gegangen wäre. Und nun ist alles so leer. Obwohl so voll. Gestern im Kaffee unter den Häusern in der Altstadt sah ich sie. Ich sah sie tausend Mal. Immer und immer wieder in jeder Person. Ich wollte zu ihr hin gehen und ihr die Worte sagen, als ich sie noch nicht gekannt habe und eben doch. Immer habe ich auf sie gewartet. Ich wollte ihr sage, wie das erste mal als ich sie getroffen habe, „ich vermisse dich, ich habe dich schon immer vermisst, seit ich geboren bin“. Jetzt ist sie weg. Eigentlich alles perfekt.

 

Vom Feuer oder erste Erinnerung 3. Juni 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 17:42

Ab und an liest man in der Zeitung, dass hier ein Haus abgebrannt ist oder dort ein Brandstifter am Werk war. Ich bedauere dann immer, nicht dabei gewesen zu sein. Denn ich liebe das Feuer. Nicht, dass ich mich ab dem Leid, das das Feuer bringt ergötze, sonder es weckt wohl einer meiner frühesten Kindheitserinnerungen.
Als ich ca. 3jährig war, brannte in der Nach eine Scheune gleich neben unserem Haus nieder. Ich durfte mitten in der Nacht aufstehen, es waren ganz viele Leute draussen und wir bestaunten alle das grosse ungewollte Feuerwerk. Gespannt entsetzt. Der Himmel war orange, die Funken sprühten bis zu den Sternen in dieser klaren Nacht. Ich sass auf dem Arm meiner Mutter und war geborgen und tief beeindruckt von der Gewalt des gierigen Feuers, das dieses riesige Gebäude einverleibte. Auch am Morgen danach glühte das Holz und rauchten die Ruinen noch. Wie ein riesiger, müder Drachen in seinen letzten Atemzügen röchelte das Feuer vor sich hin. Passiert ist nichts. Niemand hatte sich auch nur verbrannt. Es brannte nur eine Sommerernte von Heu für ein paar Kühe. Zwei Kinder haben abends beim Spielen einen Schwellbrand verursacht und nichts bemerkt. Gut, denn sonst kennte ich meine frühste Kindheitserinnerung nicht als imposantes Feuerwerk. Und ich würde bis heute das Spiel mit dem Feuer nicht verstehen

 

Vom Glück oder eine Rezession 30. April 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 14:58

Es ist einer dieser Nachmittag, wofür es sich zu leben lohnt. Ein Nachmittag, der nicht erlebt, sonder gelebt wird. Das Leben wird gerade zu zelebriert. Aber nur bescheiden. Und alleine. Dafür doppelt glücklich.

Ich habe Ferien (tatsächlich habe ich Selbstudium), bin in einer fremden, spannenden Stadt, zum Beispiel in Berlin (tatsächlich bin ich in Bern) und bin absolut zufrieden (tatsächlich!). Neben mir steht mein Fahrrad mit den geblümten Sattel, der Himmel trägt die wunderschönen, wattigen Wolken zur Schau und flirtet mit der Sonne. Ich sitze in orangen Stühlen vor dem Kario mit dem besten Kaffee von Bern und und habe nur eine Zigarette. Die letzte Zigarette (hoffentlich nicht schon wieder die letzte, sonder tatsächlich die letzte). Und ich habe ein Buch. Noch besser, ich habe die 10 letzten Seiten eines guten Buches und ich habe Kaffee und Wasser und diese Parisienne und blauer Himmel und frei und Zeit und mich und mein Glück. Niemand darf mich stören. Das Buch, es ist grässlich. Grässlich gut. Ich habe mir nach der 22 Seite überlegt, es zuzuklappen, weil es mich so angewiedert hatte. Das war gestern Abend. Aber es war zu grässlich gut. Und jetzt habe ich es fertig gelesen und dazwischen die letzte Zigarette geraucht und das Kaffee getrunken in kleinen Schlucken und am Schluss bin ich gegangen. Mit meinem Fahrrad davon gefahren in den freien Nachmittag.

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Die DarstellerInnen auf dem Foto: Das Buch, der Kaffee, das Wasser, der Zucker, die Zigi und der Himmel, der blaue. Aufgenommen im Café Kairo in Bern. Der Fotofilter heisst Glück.

(Das Buch übrigens heisst „aufgrochsen“, geschrieben hat es Roland Reichen. Spielen tut es in der Schweiz und so ist auch die Sprache. Beginnen tut es mit der Geschichte vom Buben, der dank einer zu stolzen Mutter eine Hirnhautentzündung hat und dabei dumm wird. Und von einem Mädchen, das dank Ärztepfusch zwei krumme Beine hat und dem der Lehrer in der Schule ins Hösschen langt. Wie es die Lebensgeschichte will, bzw. die Mutter des Buben, werden der Bub, der nur immer Bub genannt wird, und das Mädchen, das nur immer das Friedli geannt wird – welch Zufall – verheiratet. Der Bub bleibt dumm und wird durch sein Unglück immer dicker. Und das Friedli wird dank dem Buben auch unglücklich und unglücklicher. Und wie es das Leben so will, bekommen die zwei Dummdickenunglücklichenhumpelnden zwei Kinder: der Fifi und der Phant. Und weil der Bub jetzt Vater und unglücklich und dick und gewalttätig und das Friedli jetzt Mutter und unglücklich und ignorierend, werden auch die Kinder nicht besser. Wie so oft. Die Geschichte wiederholt sich. Nur dass die Zeit nicht stehen bleibt. Und der Fifi seine Liebe zu Drogen entdeckt – welch Erleichterung – und der Phant seine Liebe zum Essen, geht die Geschichte weiter. Auch wenn das Buch ausgelesen, zugeklappt und im Gestellt verstaubt.)

 

Wenn man gross ist oder Das Wort zum Freitag 17. April 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 17:18

Über den Schatten, den meinen
Springe ich schon lange nicht mehr

Ich hab ihn hinter mir gelassen

 

B-Post oder Wohin mit den Gefühlen? 10. April 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 11:32

Könnte man die wunderbaren, unerwünschten Gefühle wegpacken
Ich würd sie in Kisten sperren und in den Keller stellen
Oder verbrennen wie trockenes Holz
Oder im Garten vergraben

Doch das alles nützt nichts
denn sie blühen wie Blumen im Frühling
Die wunderbaren, unerwünschten Gefühle

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Damit du sie erst in Tagen erfahren wirst