Ich war ja weg. In Marokko. Es war heiss dort. Mein Hirn hat gekocht. Deshalb kann ich nur noch kurze Sätze schreiben. Vielleicht liegt es aber auch an gestern Abend. Gestern war eine Hausausweihung. In der Schweiz wohnt man ja meistens in Häusern. Ausser es ist Festivalwochenende. Dann wohnen die SchweizerInnen in Zelten. In Marokko wohnen die Menschen auch ohne Festival in Zelten. Oder in Höhlen oder auf der Strasse. Aber das ist eine andere Geschichte. In der Schweiz gibt es ja im Gegensatz zu Marokko Alkohol in Hülle und Fülle. Gestern Abend eben auch. Gratis, das ist das Problem. Alkohol auf den Tischen, in Badewannen, in ungefähr 50 Liter grossen Schüsseln – vielleicht passte auch mehr rein. Die Schüsseln jedenfalls war auch fast so gross wie die Badewannen, ich hätte mich gut reinsetzen können. Ich hätte mich gerne reingesetzt. Aber ich wollte ja noch bleiben, denn ich war gerade eben gekommen. Ich kam spät, weil ich war wandern. Wandern ist in – vor allem bei uns StädterInnen. Wir fühlen uns dann wahnsinnig naturverbunden für einige Tage. Kommen alle gerne wieder zurück – ich weiss gar nicht, was schöner ist, wandern gehen oder nach Hause kommen. Egal. Ungewaschen von der Alphütte stürzen wir uns unter die Duschen, ziehen unsere schönsten Kleidchen an, schminken uns und gehen an hippe Partys mit szenigen Menschen in ganz tollen Häusern. In Villen. Mit Badwannen voll Alkohol und Buffets mit selber gemachtem Essen aus dem eigenen Garten (ist auch in bei StädterInnen) und weissen Tischtüchern. Wo war ich, genau, bei den Schüsseln. Eine dieser Schüsseln wurde mir zum Verhängnis. Also deren Inhalt. Es war eine Bowle. Eine Bowle mit Früchten. Die Früchte waren lange eingelegt. Mindestens so lange, wie ich heute brauchte, um den Rausch davon auszuschlafen. Ich habe immernoch Kopfweh und sollte an meiner Bachelorarbeit schreiben. Ich mag nicht. Ich mag das Lustprinzip. Heute musste ich nämlich schon etwas tun, was total gegen mein Lustprinzip spricht und das am Morgen früh: Meinem Freund für zehn Tage Lebewohl und häb sorg und machs guet und hesch alles ipackt? und chum ganz wider zrügg und scheisse, 10 täg trennt und einer kommt vorbei und sagt, ihr schaut aus wie im Film bei einer Abschiedszene und wir lachen und fühlen uns auch so und dann noch so lang hei mir üs no nie trennt und tschüss sagen und so und letscht kuss und nomal letscht kuss und dann umdrehen und gehen (er) und fahren (ich) und das ist genug für heute. Wünschte ich mir. Ich bin dann nach Hause gefahren auf seinem Fahrrad und hab ein bisschen geweint, wie man weint, als kleines Kind wenn man Heimweh hat und im Ferienlager ist und eigentlich bei den Eltern sein möchte, obwohl man es ja total geniesst im Ferienlagen mit den anderen Kindern und alle nett sind, und man ganz viele spannende Sachen unternimmt, die ganze Zeit Bonbons isst, Chips und Schoggimilcht trinkt und das Lageressen aus Pizza und Pasta und Reis und anderen kindergerechten ungesunden Delikatessen besteht – aber man hat dann trotzdem Heimweh und weint und will nach Hause, obwohl man weiss, dass das nicht geht und dann gehts wieder besser und alles ist gut und die Zeit vorbei und ich habe gerade ein Dejà-vu, wie geil, das hatte ich noch nie beim Schreiben oder Wiederhole ich mich? Und jetzt ist es auch schon vorbei – leider. Schade. Also ich ging nach Hause und war traurig und ging schlafen. Das mache ich immer, wenn ich sehr traurig bin. Und dann bin ich ganz viel später aufgewacht und die Sonne schien, scheint noch immer und es ist mitten im Tag, wunderbar warmer Sonntag und ich muss Bachelorarbeit schreiben. Von Mani Matter in Marokko bzw. Men’s World schreibe ich das nächste Mal, das hier war jetzt grad wichtiger. Mein Studienabschluss nun endlich auch.