Die Garderobe ist klein, modern, die Luft hier ist gefiltert. Sie riecht irgendwie zu rein, irgendwie nach chemischen Blumen oder Meer, einfach nicht echt. Alles ausziehen, alles, keine Metalle am Körper, keine Piercings, ein Wunder, das Tattoo nicht ausziehen zu müssen, die grünen Kleider. Die gerade geschnittenen Hosen, mit der Kordel zuziehen, Grösse 3, mit denen könnte man zelten gehen. Dasselbe beim Oberteil, ein echtes T-Shirt, die T-Form könnte nicht T-iger sein, nicht schön, aber bequem. Ich gehe raus, Sie haben was vergessen, die Haarspange, wieder zurück, öffne den Schrank, den man nicht knallen kann, weil er irgendwie so besondere Türen hat, sie fallen leise zu. Der Boden ist irgendwie weich, leider kalt, Linoleum, modern, hohe Holzwände, ca. 50 Meter unter der Erde. Tageslicht gibt es nicht, keine Zeit, wäre da nicht irgendwo die Uhr, kein Wetter, sie fragen immer, wie ist es draussen? Noch nie hat ein Gespräch über das Wetter so viel Bedeutung gehabt wie dort, mit den Menschen unter der Erde, die es tatsächlich interessiert ob es schneit im Oktober oder die Sonne scheint oder ob der 3. Weltkrieg ausgebrochen oder alles ist wie immer, weil merken würde man es hier nicht. Eigentlich auch schön, wie in einer Raumstation, stelle ich mir vor und dann kriege ich gelbe Ohrstöpsel, die weichen, die ich irgendwie nie richtig in mein Ohr kriege. Ich bräuchte ein Kurs dafür, echt jetzt und nachdem ich sie 5 x rausgenommen und wieder reingetan und gedrückt und geknetet habe, sitzt der Hörschutz endlich richtig und bei anderen Ohr klappts dann auf Anhieb, nettes Ohr. Dann kriege ich das El auf die Stirne, El wie Looser, ich mach den Looserwitz wie üblich, wie üblich haben sie nur ein müdes Lächeln für mich übrig. Das El an der Stirne, damit sie dann wissen auf den Bildern wo links und rechts ist, so können rein, in den Untersuchungsraum. Hinsetzen, hinlegen, Achtung Kopf, er muss genau oben an der Halterung ankommen, es passt und ich werde hochgefahren, damit all die Menschen besser an meinen Körper rankommen. Bitte das T-Shirt heben, dann die Kleber, die feuchten mit Schlabber und dem Herzbild, um die Herzfrequenz zu messen, kalte Finger auf meiner Brust, meine Nippel werden steif, die Kabel angeschlossen. Dann noch das Kissen auf dem Bauch um die Atmung zu messen, festgezurrt, Hupe auf die Brust für den Notfall, Decke drüber. Kopfhörer auf den Kopf und dann gleichzeitig, den Schaumstoff von beiden Seiten, damit ich den Kopf nicht mehr bewegen kann und dann der Helm drüber und reingefahren. Augen schliessen wegen dem Laser, ein Stopp, kurz, und weiter rein und dann bin ich in der Röhre, Magnetresonanz, sie machen Bilder von meinem Hirn, quer durch und von oben und unten und der Seite, 3 Ansichten. Und jetzt machen wir noch den anatomischen Scan. Das Bildermachen vom Hirn ist laut, es tickt, nein schlägt bei jedem Bild und manchmal wird der Lärm hoch und es ist so schön warm dort drin und es ist laut und ich fühle mich geborgen und es ist alles weich und weiss und den Lärm höre ich nicht mehr und ich schliesse meine Augen und es ist wunderbar. Ich lasse mich gehen und schlafe ein und träume davon, wie ich als ungeborenes Kind im Bauch meiner Mutter vor mich hin schwebte und dort war ihr Herzschlag und es war laut und warm und alles war gut.