Die Dossiers stapeln sich in meinem Büro. Die Zimmerpflanze ist vertrocknet. Mein Bürokollege auch. Auf dem Fensterbrett liegen tote Fliegen. Wenigsten scheissen sie nicht mehr das Fenster voll. Dicke Luft. Papier. Karton. Grau und braun und beige. Die Oberfläche des Holzpultes ist abgeschabt. Die Plastikunterlage schützt den Teppich vor dem Bürostuhl. Aus dem Fenster, der Ausblick ist spannend.
Im Block gegenüber wohnt eine Familie. Türken oder so. Drei Kinder, dicke Mutter, hübscher Vater. Die Eingangstüre ist kaputt, das Fenster eingetreten. Acht Briefkästen. Alle bemalt mit dicken Marker. Das Übliche: Fuck the police, Faschos sind Scheisse, Free Erdogan. Nichts Neues. Gespieltes Interesse. Aufgesetzte Politik. Das Game über die Konsole hinaus. Scheiss Punks, denke ich. Rücke mir die Brille auf der Nase zurecht und starte den Computer. Kaffee holen.
Auf dem Flur, links neben der Toilette, der Automat. Ein Franken zwanzig für den wässrigen Kaffee. Inklusive Blick auf das Büro von Tobias. Er ist nicht da. Marianne, die Chefin von Tobias, im Büro neben an. Sie schiebt sich den BH gerade und kritzelt angestrengt etwas in ihre Agenda. Daten. Planung. Verplanung. Zeit. Time Management. Personalabteilung. Scheisse. Tobias.
Seine Schritte erkenne ich schon von weitem. Aus dem Lift. Um die Ecke und nun bin ich in seinem Sichtfeld. Ich wäre in seinem Sichtfeld. Tobias schaut nicht zu mir hin. Braunes Haar. Tobias schaut auf den Boden. Jogging am Mittag. Tobias kennt das Muster des Teppichs – ich weiss es. Nach dem Sprint draussen kam das Duschen. Tobias. Immer. Und immer wieder. Tobias verschwitzt. Graues Fischgerätemuster. Die weissen Kacheln in der Dusche. Tobias nackt. Das Wasser. Der Dampf. Tobias. Von vorne, von hinten. Saibot. Sabotage. „Sabotage!“ denke ich und werfe den wässrigen Kaffee an die Wand, alles und Marianne schaut über ihre gefärbten, aufgeblasenen Lippen mitleidig zu mir rüber. Nutte, schreie ich und drehe mich um. Sehen den langen Bürogang und wie der Staub im schräg einfallenden Sonnenlicht tanzt. Ich falle über meine Füsse.