Fuck Barbie!

Alltagsmärchen, Geschlechterprovokation & Lügengeschichten

Wenn das letzte Jahr auf der Strasse liegt… 15. Januar 2009

Gespeichert unter: Alltag — Femi June @ 13:52

Achtlos hingeworfen liegen sie im braunen Schnee. Dieser hat seine Farbe verloren. Der blasse, weiche, weisse Schnee. Jetzt ist er braun und hart. Trägt einen nicht mehr wie auf Wolken, sondern lässt ausrutschen, verlangsamen und fallen. Merkwürdig, diese Laune der Natur. Der Schnee wirkt dieses Jahr wie eine alte Frau, die einen sehr herzlich an die Brust drückt, an die warme, wohlriechende um im nächsten Moment böse und giftig mit den Zeigfinger zu drohen. Aber ich will hier gar nicht über den Schnee und seinen Charakteren schreiben, sondern von den Bäumen.
In der ganzen Stadt liegen sie vor den Haustüren, auf den Trottoirs, auf der Strasse. Die alten Weihnachtsbäume. Manche noch grün und saftig und schreien vor Leben. Andere knorrig, dürr und ganz nackt so ohne Nadeln. Die tun mir dann leid, weil sie aussehen, als seien sie verhungert, ausgemergelt und verreckt. Nun, so liegen sie alle überall in der Hauptstadt und es mutet mir ganz schaurig an, dieser Anblick der Tannen-Leichen. Tod auf der Strasse. Ich habe beim Vorbeigehn das Gefühl, dass diese Bäume ganz viele Geschichten und Bresten des letzten Jahres tragen. All die Verletzungen, die sie sich von ihren BesitzerInnen anhören mussten, hangen nun wie durchsichtige, grosses Weihnachtskugeln irgendwo zwischen den Ästen. Und so werden die Bäumen aus dem Fenster auf die Strasse geworfen, mit der Hoffnung, nicht nur die Tanne sondern auch noch alles Emotionale entsorgen zu können. Hinter sich lassen.
Ich habe keinen Baum. Ich müsste auch nichts hinter mir lassen, was ich nicht schon losgelassen hätte. Dafür hängt vom Advent noch immer ein Mistelzweig über meiner Schwelle und wartet darauf, beim Küssen Glück mitgeben zu können. Und wenn alle Tannen abgeholte wurden, wird er noch immer an seinem roten Band die guten Zeiten verzaubern.

 

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